Die Alternative zur Automatisierung ist selten ein Callcenter, sondern eine zusätzliche Person am Tresen. Was diese Stelle kostet, bevor, während und nachdem sie besetzt ist.

239 Tage dauerte es 2025 im Schnitt, eine Stelle in der Kraftfahrzeugtechnik zu besetzen. Ob eine zusätzliche Servicekraft oder eine KI-Lösung für die Kundenkommunikation die richtige Antwort ist, entscheidet sich deshalb selten am Monatsgehalt — sondern an den Arbeitgeberkosten oberhalb des Bruttos, an der Zeit bis zur Besetzung und an den Stunden, in denen die Stelle nicht besetzt ist.
Der Vergleich mit einem externen Callcenter ist an anderer Stelle abgehandelt. Diese Rechnung ist eine andere, und sie ist die, die in den meisten Betrieben tatsächlich aufgemacht wird: eine Person mehr am Tresen, oder ein System, das die Anfragen annimmt, die sonst liegen bleiben.
Was eine Serviceassistenz tatsächlich kostet
Das Bruttogehalt ist der kleinere Teil der Wahrheit. Nach den Auswertungen von GEHALT.de liegt der Median für Serviceassistentinnen und Serviceassistenten bei 2.870 Euro brutto im Monat, das untere Quartil bei 2.558 Euro, das obere bei 3.221 Euro — bei 40 Wochenstunden entspricht der Median 34.440 Euro im Jahr.
Darauf kommen die Arbeitgeberanteile. 2026 trägt der Arbeitgeber 9,3 Prozent Rentenversicherung, 1,3 Prozent Arbeitslosenversicherung, rund 8,15 Prozent Krankenversicherung einschließlich des halben Zusatzbeitrags und 1,8 Prozent Pflegeversicherung. Dazu kommen die Umlagen U2 mit rund 0,5 Prozent und U3 mit 0,06 Prozent sowie der Beitrag zur Berufsgenossenschaft, der je nach Gefahrklasse zwischen 0,5 und 10 Prozent liegt. In der Summe ergibt das einen Aufschlag von etwa 22 Prozent auf das Bruttogehalt.
Kostenblock | Was dahintersteckt | Belegte Größenordnung |
|---|---|---|
Bruttogehalt | Medianvergütung Serviceassistenz | 2.870 € im Monat, 34.440 € im Jahr |
Arbeitgeberanteile | RV, AV, KV, PV, U2, U3, Berufsgenossenschaft | rund 22 % Aufschlag auf das Brutto |
Nicht verfügbare Zeit | 20 Arbeitstage Mindesturlaub plus 14,6 Krankheitstage | rund 35 von etwa 250 Arbeitstagen |
Vakanz bis zur Besetzung | Vakanzzeit Kraftfahrzeugtechnik 2025 | 239 Tage; alle Ausbildungsberufe 183 Tage |
Einarbeitung | Zeit erfahrener Kollegen, Rückfragen, Fehler | nicht belastbar bezifferbar |
Besetzung außerhalb der Kernzeit | Abende, Wochenenden, Betriebsurlaub | durch eine Vollzeitstelle nicht abgedeckt |
Die letzten drei Zeilen sind die, die in Kalkulationen fehlen. Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt bei einer Fünftagewoche 20 Arbeitstage nach § 3 Absatz 1 Bundesurlaubsgesetz, tarifliche Regelungen liegen darüber. Dazu kommen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 14,6 krankheitsbedingte Fehltage je Arbeitnehmer im Jahr 2025, was einem Krankenstand von 5,9 Prozent entspricht. Zusammen sind das rund 35 Tage, an denen die Stelle bezahlt, aber nicht besetzt ist — bei etwa 250 Arbeitstagen im Jahr also jeder siebte Tag.
Warum die Stelle dreimal kostet
Die Stelle kostet, bevor sie besetzt ist, während sie unbesetzt ist und wenn sie besetzt ist.
Vor der Besetzung entstehen Aufwände, die selten jemand aufschreibt: die Anzeige, die Sichtung, die Gespräche, die Zeit der Führungskraft, die dafür nicht in der Annahme steht. Während der Vakanz übernehmen die vorhandenen Kolleginnen und Kollegen die Aufgaben zusätzlich — die Bundesagentur für Arbeit weist in der Fachkräfteengpassanalyse 2025, veröffentlicht im Mai 2026, 157 Engpassberufe aus, darunter „Berufe in der Kraftfahrzeugtechnik”. Für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung liegt die Vakanzzeit im Schnitt bei 183 Tagen, in der Kraftfahrzeugtechnik bei 239.
Für eine Serviceassistenz ist die Lage etwas entspannter als für einen Kfz-Mechatroniker, das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Aber die Richtung stimmt: In der Handwerkserhebung des Bitkom aus dem Sommer 2025 nennen 75 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel als besondere Herausforderung, 83 Prozent den Mangel an Auszubildenden.
Und nach der Besetzung kommt die Einarbeitung. In den ersten Wochen steht die neue Kollegin bei jedem zweiten Anruf auf und fragt beim Serviceberater nach, ob der Dienstagvormittag für einen Kupplungswechsel noch reicht — was in der Summe zwei Arbeitsplätze halb blockiert statt einen zu entlasten. Das legt sich, aber es dauert, und es ist die Zeit, die in keiner Kalkulation steht.
Was eine Stelle abdeckt und was nicht
Eine Vollzeitstelle deckt 40 Stunden der Woche ab. Eine Woche hat 168. Die Rechnung ist banal, aber sie ist der eigentliche Punkt: Wer eine zusätzliche Person einstellt, verbessert die Erreichbarkeit innerhalb der Öffnungszeiten und verändert außerhalb davon nichts.
Drei Wochen im August, die Ferienzeit: Von zwei Personen an der Annahme ist eine im Urlaub, die andere hat sich am Montag krankgemeldet. Das Anfrageaufkommen bleibt, wie es ist. In diesem Zustand hilft keine zweite Stelle, sondern nur eine dritte — und die rechnet sich für elf Monate im Jahr nicht.
Genau an dieser Stelle liegt der Unterschied zwischen den beiden Optionen. Eine zusätzliche Person erhöht die Kapazität in der Kernzeit. Eine KI-Lösung verändert nicht die Kapazität, sondern die Abdeckung: Sie nimmt an, wenn niemand da ist, und sie nimmt mehrere Anfragen gleichzeitig an, wenn alle gebunden sind. Das sind zwei verschiedene Probleme, und ein Betrieb sollte wissen, welches er hat.
Wann eine zusätzliche Person die richtige Entscheidung ist
Es gibt drei Konstellationen, in denen die Einstellung schlicht die bessere Wahl ist.
Die erste ist der Betrieb, in dem die Arbeit am Tresen körperlich ist. Ein Kunde kommt unangemeldet mit leuchtender Motorkontrollleuchte, will wissen, ob er weiterfahren kann, braucht einen Ersatzwagen und die Papiere dafür. Diese halbe Stunde erledigt kein System. Wo der Großteil der Kundenkontakte an der Direktannahme am Fahrzeug stattfindet und nicht am Telefon, löst Automatisierung das falsche Problem.
Die zweite ist der Betrieb, der die Stelle ohnehin für andere Aufgaben braucht. Garantieanträge, Rechnungsprüfung, Teiledisposition, Mahnwesen — wenn diese Arbeit liegen bleibt, ist die Telefonannahme nur ein Teil des Bedarfs, und die Stelle rechnet sich über den Rest. Eine KI-Lösung für die Kundenkommunikation trägt zu keinem dieser Punkte bei.
Die dritte, und sie wird am häufigsten übersehen: der Betrieb, dessen Engpass in der Werkstatt liegt, nicht am Telefon. Der ZDK weist für 2024 eine durchschnittliche Werkstattauslastung von 87 Prozent aus. Wer bereits an dieser Grenze arbeitet, gewinnt durch mehr angenommene Anfragen keine produktiven Stunden — er gewinnt eine längere Warteliste. Hier ist die richtige Investition eine zusätzliche Fachkraft in der Halle, nicht in der Kommunikation.
Was ein System an dieser Rechnung ändert
GetCarls Carl setzt an einer anderen Stelle an als eine Einstellung. Anfragen über Telefon, WhatsApp und Mail werden angenommen, wenn das Team gebunden ist oder der Betrieb geschlossen hat; Bestandskunden werden über das CRM erkannt, die Auslastung im DMS geprüft und Termine direkt angelegt. Anliegen, die einen Menschen brauchen, gehen mit dem bisherigen Gesprächsstand an das Team.
Der Effekt ist damit kein ersetzter Arbeitsplatz, sondern eine andere Verteilung: Die Person am Tresen bearbeitet die Kunden, die vor ihr stehen, statt zwischen Telefon und Fahrzeug zu wechseln. Ob das den Ausschlag gibt, hängt weniger vom Preis ab als davon, wo der Engpass im Betrieb tatsächlich sitzt.
Was diese Rechnung bewusst offen lässt
Auf der einen Seite dieser Gegenüberstellung stehen belegbare Zahlen: Median, Arbeitgeberanteile, Fehltage, Vakanzzeiten. Auf der anderen Seite steht bewusst keine.
Das ist kein Ausweichen, sondern das ehrlichere Vorgehen. Was eine KI-Lösung kostet, hängt vom Anfrageaufkommen, den angebundenen Systemen und dem Umfang ab, und jede Zahl, die hier stünde, wäre für den Großteil der Leser falsch. Was ein Betrieb dagegen selbst ausrechnen kann, bevor er mit einem Anbieter spricht, sind die Kosten der Alternative — Brutto plus rund 22 Prozent, geteilt durch die Tage, an denen die Stelle tatsächlich besetzt ist, bezogen auf die Stunden, die sie abdeckt. Wer diese Zahl hat, führt jedes Verkaufsgespräch von der stärkeren Seite aus. Wer sie nicht hat, vergleicht ein Angebot mit einem Gefühl.
Belegprotokoll
Belegte Zahlen und Aussagen
Median-Bruttogehalt Serviceassistent/-in 2.870 € im Monat (34.440 € im Jahr bei 40 Wochenstunden), unteres Quartil 2.558 €, oberes Quartil 3.221 € — Quelle: GEHALT.de, „Serviceassistent/-in – Gehalt & Beruf” (https://www.gehalt.de/beruf/serviceassistent)
Arbeitgeberanteile 2026: Rentenversicherung 9,3 %, Arbeitslosenversicherung 1,3 %, Krankenversicherung rund 8,15 % inkl. halbem Zusatzbeitrag, Pflegeversicherung 1,8 %, U2 rund 0,5 %, U3 0,06 %, Berufsgenossenschaft 0,5–10 % je nach Gefahrklasse; Gesamtaufschlag rund 22 % — Quelle: Taxmaro, „Lohnnebenkosten Arbeitgeber 2026: Sätze + Beispielrechnung” (https://www.taxmaro.com/post/lohnnebenkosten-arbeitgeber-2026)
Gesetzlicher Mindesturlaub 24 Werktage, bei Fünftagewoche 20 Arbeitstage — Quelle: § 3 Abs. 1 Bundesurlaubsgesetz
14,6 krankheitsbedingte Fehltage je Arbeitnehmer 2025, Krankenstand 5,9 % — Quelle: Statistisches Bundesamt, „Krankenstand” (https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Indikatoren-Qualitaet-Arbeit/Dimension-2/krankenstand.html)
Vakanzzeit 2025: Kraftfahrzeugtechnik 239 Tage, Fachkräfte mit Berufsausbildung im Durchschnitt 183 Tage — Quelle: Adecco, „Engpassberufe 2026”, unter Berufung auf die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit (https://www.adecco.com/de-de/unternehmen/business-blog/engpassberufe-2026)
157 Engpassberufe im Berichtsjahr 2025, darunter „Berufe in der Kraftfahrzeugtechnik” — Quelle: Bundesagentur für Arbeit, „Blickpunkt Arbeitsmarkt – Fachkräfteengpassanalyse 2025”, Mai 2026 (https://www.frauundberuf-bw.de/fileadmin/FuB-contentbilder/themen/2025_BA-FK-Engpassanalyse.pdf)
75 % der befragten Handwerksbetriebe nennen Fachkräftemangel als besondere Herausforderung, 83 % den Mangel an Auszubildenden; Stichprobe n = 504, Erhebung KW 23–29/2025 — Quelle: Bitkom e. V., Studienbericht „Digitalisierung des Handwerks” (https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-01/bitkom-studienbericht-handwerk.pdf)
Durchschnittliche Werkstattauslastung 87 % im Jahr 2024, 470.000 Beschäftigte im Kfz-Gewerbe — Quelle: ZDK-Jahresbilanz, wiedergegeben in autoservicepraxis.de, 19.02.2025 (https://www.autoservicepraxis.de/nachrichten/autobranche/zdk-zieht-gemischte-jahresbilanz-werkstaetten-brummen-haendler-kaempfen-3621610)
Carl deckt Telefon, WhatsApp und E-Mail ab, erkennt Kunden über das CRM, prüft die Auslastung im DMS und legt Termine an — Quelle: getcarl.de, Produktdarstellung
